10.11.2017

Schiedsrichter: Die Grenze des Erträglichen ist erreicht!

Immer wieder müssen unsere Schiedsrichter sich Dinge gefallen lassen, die einfach weit unter der Gürtellinie sind. Ob Meckereien, Beschimpfungen, ständiges Verbessern oder sogar Tätlichkeiten – und vor allem ist oft der Schiedsrichter schuld, wenn es beim eigenen Team nicht lief. Auch auf luenesport.de wird hin und wieder der Schiedsrichter verbal an den Pranger gestellt. Gern genommen beim Nachbericht: „Volker, der Schiedsrichter war wieder unterste Schublade! Er hat nur Mist gepfiffen, so einen schlechten Schiedsrichter habe ich noch nie gesehen. Es macht keinen Spaß mehr!“

Genau: diese Art der Kritik macht keinen Spaß mehr, auch wenn sie die absolute Ausnahme bildet. Wir stellen im Jahr circa 500 Interviews und 1.000 Nachberichte online, in weit über 90 Prozent spielen die Schiedsrichter keine Rolle, in weiteren Prozenten werden sie gelobt, aber auch mal kritisiert. Doch würden wir immer das schreiben, was uns zugetragen wird, es wäre alles andere als schön – für die Vereine und für unseren Fußball! Klar, auch die Leistung eines Schiedsrichters muss reflektiert werden, er soll keinen Persilschein bekommen, pfeifen können was er will. Emotionen gehören dazu, auch mal ein verbaler Fehlgriff, auch ein blödes Foul – doch immer ihn als Schuldigen für eine Niederlage zu suchen, das ist zu einfach! Denn würde sich jemand mal an die Linie stellen, jeden unnötigen Ballverlust, jeden Fehlpass, jede technische Unzulänglichkeit oder unnötiges Foul kommentieren – derjenige wäre nach 10 Minuten heiser!

Natürlich muss man sich fragen, warum der Schiedsrichter manchmal in einer Art und Weise angegangen wird, die einfach nicht angehen kann. In einer Zeit, in der man anonym im Netz ohne Ende beleidigen kann, aber auch öffentlich eine Wortwahl getroffen wird, die hinterste Ecke ist, da darf sich niemand wundern, wenn diese Sprache auch auf dem Platz gewählt wird – gruselig! Viele Besonnene stemmen sich dagegen, behandeln Gegner und Schiedsrichter mit Respekt, aber wie immer gilt: 50.000 im Stadion, 100 Idioten – genau die sieht man.

Und warum werden so wenige ehemalige Spieler Schiedsrichter? Vielleicht, weil sie wissen, diese Rolle ist alles andere als bequem! Ich bin dieses Schritt gegangen – und was bekam ich beim ersten Spiel zu hören? „Warum tust du dir das denn an?“ Und schnell spürte ich, dass ich allein bin, auch wenn ich viele Spieler kenne, während der Partie stehst du zwischen allen Stühlen – die allseits beliebte Pufferposition. Oft fragte ich mich, ob ich diese Rolle wirklich einnehmen möchte – so ganz sicher bin ich auch nach fast einem Jahr nicht. Und da stellt sich mir die Frage, ob die jungen Schiedsrichter wirklich schon so reif sind, um diese Rolle zu spielen.

Natürlich kommt es auch darauf an wie der Schiedsrichter auftritt, auch hier ist es eine Frage der eigenen Einstellung. Wenn ich alles persönlich nehme, dann kann es schnell eng werden. Und sind wir doch mal ehrlich: Es gibt Schiedsrichter, die bekommen keine faire Chance, haben einen Stempel auf der Stirn – glaubt mir, andersherum ist es genauso!

Ich werde das Gefühl nicht los, dass es nicht selten ein Gegeneinander statt Miteinander ist. Jeder sollte sich mal fragen, warum in der heutigen Zeit, in der es so viele gefährliche Baustellen auf der Welt gibt, man sich in seiner Freizeit ärgern oder beleidigen lassen soll? Und warum verändern sich Menschen so auf dem Fußballplatz – haben sie keine andere Möglichkeit ihren Frust abzubauen? Und wie wichtig ist der Kreisfußball wirklich für das Leben – trotz aller Emotionen und der Liebe zum Fußball? Wenn in einem Fußballkreis der komplette Spieltag abgesagt wird, damit die Leute aufwachen, dann ist die Ampel schon auf dunkelrot!

Und wer alles besser weiß, jede Regel auswendig kennt, immer alles richtig pfeifen würde und für jeden noch so dummen Spruch Verständnis hat, für den habe ich ein heißen Tipp: Im Frühjahr geht der neue Schiedsrichter-Kursus los! Einfach mal anmelden und den Schein machen – ihr werdet euch wundern, wie viel ihr wirklich vom Pfeifen versteht!

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