Ü50 SG Heidetal/Ilmenau: Großer Stolz nach dem 2. Platz!

Nach dem sensationellen Erfolg der SG im Jahre 2015, als man als Niedersachsens Vizemeister etwas überraschend die norddeutsche Meisterschaft gewann und sich damit für die „Deutsche“ qualifizierte, konnte die SG Heidetal / Ilmenau in diesem Jahr das identische Kunststück wiederholen. Im letzten Jahr noch als Niedersachsenmeister im Finale der „Norddeutschen“ gescheitert, konnte die SG mit einer souveränen Quali die Tickets für Berlin buchen. Vielleicht sollte man bei der Niedersachsenmeisterschaft im Finale Hannover 96 grundsätzlich den Vortritt lassen…. Am Freitag, dem Dreizehnten (September) versammelten sich nun Mannschaft, Betreuer und Fans, um das Unternehmen „DFB-Ü50-Cup“ in Angriff zu nehmen.
Nach langer Fahrt, hektischer Ankunft ging es zum gemeinsamen Abendessen in ein Neuköllner Wirtshaus und frühzeitig ins Bett, für eine paar Fans wurde es ganz früh…
 
Am Samstag um 9 ging es dann endlich ins Amateurstadion am Olympiapark, dort wurden wir schon von den mit dem Zug nachgereisten Spielerfrauen freudig empfangen. Nach kurzem Hallo ging es in die Vorbereitung auf das erste Spiel.  
 
Die Lüneburger Physiotherapeutin Kim Keil hatte die Vorbereitung auf die Turniere mitgemacht und ließ es sich nicht nehmen, auch in Berlin die erste Trainingseinheit zu leiten. Der zweite, aus Berlin kommende Physio Alexander Koska hatte drinnen schon die Ersten auf der Massagebank, wo die letzten Muskelpartien gelockert und die Tapes fachmännisch platziert wurden.
 
Das erste Spiel gegen den Vertreter des Südwestdeutschen Verbandes, SG Hoppstädten-Weiersbach stand nun an. Mit dem Wimpel gab es von den Kollegen aus der Nähe von Idar-Oberstein für jeden Spieler eine Fleischwurst. Das Spiel ist schnell erzählt: Ein Traumfehlpass am eigenen Strafraum brachte den Pfälzer Stürmer in beste Schussgelegenheit, was er sich nicht nehmen ließ. 0:1. Nun waren alle wach und im Turnier angekommen. Die SG steigerte das Tempo und kam zügig durch Merko Butenhoff zum Ausgleich, kurz darauf legte Christian Hultsch durch einen humorlosen Fernschuss zum 2:1 nach und nachdem Stefan Koch auf 3:1 erhöhte war der Bann gebrochen. Merko Butenhoff und Stefan Koch erhöhten dann noch zum Endergebnis auf 5:1, was noch höher hätte ausfallen können. Kurze Pause, nochmal Massage und dann gegen die Ü50 Senioren des Bundesligisten Hertha BSC Berlin. Mit viel Respekt aber genug Selbstvertrauen ging es gegen den vermeintlichen Favoriten. Ein intensives Spiel entwickelte sich. Aber schon früh konnte ein schnell von Ralf Sievers vorgetragener Angriff vom Kapitän Frank Alpers zum 1:0 und späteren Endstand abgeschlossen werden. Es blieb spannend, ein Spiel mit viel Laufarbeit und guten Szenen vor den Strafräumen, aber dort neutralisierten sich beide Mannschaften. Am Ende stand der zweite Sieg des Tages und die Tabellenführung. Mittagspause, bisschen Essen, Bananen und Obst und die Physios. Das war die Vorbereitung zum letzten Spiel des Tages. Auch wenn in den Spielen fast der gesamte Kader
 
von 14 zum Einsatz kam, haben diese zweimal 30 Minuten ihre Spuren hinterlassen, vor allem das Spiel gegen Hertha hatte richtig Körner gekostet. SSV Köpenick-Oberspree, der zweite Vertreter der Nordostverbandes – der Veranstalter darf zwei Mannschaften stellen – kam mit 4 Punkten und einem 3:0 Sieg im vorherigen Spiel gegen Lengerich (Westvertreter). Vorsicht war geboten und prompt lag die SG wieder durch einen individuellen Abwehrfehler mit 0:1 hinten. Aber nicht verzagen, es wurden die Angriffsbemühungen verstärkt und man bekam das Spiel immer besser in den Griff. Folgerichtig erzielte Ralf Sievers nach einer Energieleistung den verdienten Ausgleich. Im weiteren Verlauf des Spiels hatten beide Mannschaften noch die Chancen zum Siegtreffer aber zum Schluss fehlte die letzte Kraft, im sonnigen und warmen Spätsommer die Entscheidung zu erzielen.  Mit dem 1:1 behielt die SG trotzdem die Tabellenführung dank des besseren Torverhältnisses vor dem FC Bayern München, die gegen den ersten Gegner der SG Heidetal/Ilmenau auch nur zu einem – glücklichen Unentschieden kamen.  Die beiden fleißigen Physios legten noch eine Sonderschicht ein, dann ging es unter die Dusche und im Bus zum Hotel Estrel in Neukölln, in dem alle 22 Mannschaften der Turniere (Ü35-Damen, Ü40- und Ü50 Herren) untergebracht waren.  Regeneration, ein kleines Schläfchen und um 20:00 ging es dann zur vom DFB organisierten Gala. Ein großes Buffet und musikalische Untermalung der ehemaligen „No Angels“ Sängerin Nadja Benaissa waren der schöne Ausklang eines erlebnisreichen Tages. Gegen 22:30 waren dann auch fast alle Aktiven im Bett, die Fans mussten die Fahne hochhalten, am Sonntag gab es noch zwei Spiele zu spielen und man war schließlich Tabellenführer.
 
Am Sonntag startete die SG in den Tag, zuversichtlich mit dem klaren Ziel vor Augen, die Meisterschaft ins kleine „gallische“ Dorf zu holen. Immerhin haben die Samtgemeinden Amelinghausen und Ilmenau etwa so viel Einwohner wie der kleineste der 23 Münchner Stadtbezirke, also selbstbewusst ran an die letzten beiden Spiele. Da Kim Keil am Samstagabend aufgrund familiärer Verpflichtungen abreisen musste, war nun Alexander Koska allein gefordert und hat die Warmmacheinheit nahtlos übernommen. Richtig heiß ging es in das vorletzte Spiel gegen Lengerich. Lengerich hatte die drei Spiele zuvor gut gespielt aber am Ende unglücklich verloren, so standen sie mit null Punkten am letzten Platz, der aber nicht die tatsächliche Spielstärke der Mannschaft widerspiegelte. Die Bayern haben der SG auch nicht den Gefallen getan und Federn gegen Köpernick-Oberspree gelassen, somit musste ein Sieg her, um im letzten Spiel gegen die Bayern alle Chancen offen zu halten. Köpenick war durch die Niederlage gegen die Bayern raus aus dem Rennen, mit einem Sieg gegen Lengerich war die Vizemeisterschaft für die SG Heidetal/Ilmenau schon sicher. Und so fing man dann auch an, im Wissen um die größte Chance der Fußballerkarriere. Ruckzuck lag man gegen die befreit und stark aufspielenden Westphalen mit 0:1 hinten. Es wurde ein zähes Anrennen, spielerisch keine Offenbarung und weit weg von der Souveränität des Vortages. Erst ein abgefälschter Verzweiflungsschuss von Christian Hultsch brachte den Ausgleich und dann meinte der Fußballgott es mit den Heidetal-Ilmenauern besonders gut, den der zweite Verzweiflungsfernschuss von Ralf Sievers wurde auch für den Torwart unhaltbar abgelenkt und landete zum 2:1 im Tor. Puhh…. Der Countdown lief und als hätten die Verantwortlichen es beim Spielplan erstellen geahnt, kam es im letzten Spiel des Turniers zum „Endspiel“ zwischen der SG Heidetal/Ilmenau und dem FC Bayern München, wobei der SG wegen des besseren Torverhältnisses ein Unentschieden gereicht hätte.  
 
Während die Spieler sich individuell auf das Spiel vorbereiteten, bastelten die Trainer Michael Keil und Rainer Beister an der Taktik. Jan Holdberg als Spielbeobachter hatte alle Mannschaften studiert und während des Turniers gute Tipps über die einzelnen Spielstärken der Mannschaften weitergegeben. Bei Bayern war dann sein Tipp: „Die sind alle gut“. Na Klasse…Aber es wurde eine Taktik zurechtgelegt, die auf die Vermeidung eines Gegentores ausgelegt war. Solange die SG keinen kassiert ist sie Deutscher Meister. Offen mitspielen gegen die individuell starken, spielsicheren und auch sehr cleveren, regelaffinen Bayern wurde als zu riskant verworfen. So ging es los. Torsten Winter und Christian Hultsch als Manndecker gegen die torgefährlichen Stürmer, Ralf Mackensen als freier Mann und Lückenschließer, Frank Alpers und Ralf Sievers im Mittelfeld und vorne Merko Butenhoff, der seit dem ersten Spiel in Manndeckung genommen wurde, waren die Startsieben. Die Bayern mussten gewinnen und spielten entsprechend druckvoll auf. Keine echten Chancen für die SG, wenige kleine für den FCB. Die Kette hielt, die Bayern wurden nervöser.  Halbzeit. 0:0. Auf beiden Seiten wurde fleißig gewechselt, bei der SG kamen Dirk Reichel, Sigi Grabow, Oliver Wehrt und Erwin Sawert kamen zum Zug, Uli Petersen, Thomas Rudzinski und Hüseyin Özdemir, die sich schon vorher im Turnier bewehrt hatten, blieben in Lauerstellung. Die Manndecker waren mittlerweile so gut eingespielt, dass hier nicht gewechselt werden konnte und sollte, die Jungs musste Schwerstarbeit verrichten. Und wie es dann kommt, ist die Defensive nach einem abgefangenen Angriff nicht schnell genug auf der Höhe, eine scharfe Hereingabe von links können „Macke“ Mackensen und Christian Hultsch nicht entschärfen und am langen Pfosten stand der Bayernstürmer und stocherte den Ball über die Linie an den Fingerspitzen des Torwarts Ecki Bünger, der bis dahin seinen Kasten mit hervorragenden Paraden sauber gehalten hat, vorbei.  4 Minuten noch. Wütende Angriffe, die Defensive wurde aufgegeben und alles nach vorne geschmissen. Ein langer Pass in den Strafraum der Bayern zu Ralf Sievers, der kommt unter Bedrängnis einer strafwürdigen „Grätsche am Mann“ zu Fall aber der Neunmeterpfiff bleibt aus. Selbst die Auswechselspieler der Bayern hätten den gegeben aber die Pfeife bleibt stumm.  Abpfiff, Tränen und dann Stolz auf die Deutsche Vizemeisterschaft 2019.
 
Ein besonderer Dank gilt den vielen Sponsoren, die das Team mit Geld und Sachspenden unterstützt haben und natürlich unseren treuen Fans und Mannschaftskameraden, die die Mannschaft vor Ort kräftig angefeuert haben.

Bericht Michael Keil