Sven Becker (TSV Gellersen) 12.06.20


Vorname, Name, Alter, Verein?
Sven Becker, 32 Jahre alt, TSV Gellersen

Seit wann bist du deinem Klub verbunden?
Seit ich acht Jahre alt bin wohne ich in Gellersen. Vor der Fusion habe ich in der Jugend beim TSV Westergellersen gespielt, seit der C-Jugend für den TSV Gellersen. Die Ausnahme war ein Jahr in der B-Jugend beim MTV Treubund Lüneburg.

Was magst du an deinem Verein besonders?
Den Zusammenhalt, die Freundschaften, die Hilfsbereitschaft untereinander und natürlich die treuen Fans, die uns seit vielen Jahren begleiten.

Was bedeutet dir Vereinstreue?
Aufgrund meiner Vita ist es ja unschwer zu erkennen, dass es mir schon eine Menge bedeutet. Fairerweise muss ich jedoch sagen, dass es auch immer mal wieder Gespräche mit anderen Vereinen gab und ich teilweise lange überlegen musste. Ein gewisser Reiz war schon hin und wieder da, entweder aus sportlichen Aspekten oder einfach nur, um mal andere Strukturen zu erleben. Am Ende habe ich das Glück, in einem tollen Verein aufgewachsen zu sein und ich konnte hier tolle sportliche Erfolge feiern. Man kann Vereinstreue sicherlich nicht erwarten und einfordern, zumal wir selbst ja auch gerne neue Spieler von anderen Vereinen begrüßen. Allerdings kann man Ehrlichkeit und Loyalität erwarten und wir freuen uns selbstverständlich über alle, die ihre Laufbahn komplett bei uns bestreiten.

Was war dein größter sportlicher Erfolg?
Der Aufstieg in die Landesliga.

Techniker, gute Pässe, Spielverständnis, aber etwas zu langsam – stimmst du dem zu?
Da bei uns in der Mannschaft Eigenlobe hart geahndet werden, muss ich an dieser Stelle etwas aufpassen. Sagen wir mal so, wenn jemand von außen meint, dass ich ab und zu den Ball richtig treffe, dann könnte dies seine Richtigkeit haben. Bezüglich der Geschwindigkeit kann ich nur sagen, dass Jonas Kennemann nicht selten im Training meine Schuhe nur von hinten sehen kann.

Wie hart hat dich deine schwere Verletzung getroffen?
Ich glaube, es war im Jahr 2010, als ich mir mein rechtes Kreuzband gerissen habe. Wir hatten ein Heimspiel gegen den MTV Barum, lagen 0:2 hinten, es lief die ca. 80. Minute,  ich wollte den Ball aus der Luft runterholen und als ich aufkam, habe ich mir das Knie verdreht. Ich kann auf alle Fälle sagen, dass ich diese Verletzung keinem Sportler wünsche, weil es schon einen sehr langen Regenerationsprozess nach sich zieht und man sich selbstverständlich auch Gedanken macht, was sowas perspektivisch für den Körper bedeuten kann. Schließlich gibt es ja auch noch ein paar Jahre nach dem aktiven Herrenfußball. Sollte ich mir nochmal das Kreuzband reißen, dann würde ich womöglich meine Schuhe an den Nagel hängen.

Hast du dich davon zu 100 Prozent erholt?
Es hat definitiv sehr lange gedauert und hat auch noch einen weiteren Meniskusriss nach sich gezogen. Ab und zu habe ich noch Schmerzen im Knie, aber insgesamt ist es gut verheilt. Sicherlich kann ich sagen, dass meine „Karriere“ vor der Verletzung besser verlaufen ist als danach.

Du sitzt auf der Bank – wie schlecht ist deine Laune, kannst du die verbergen?
Meine Laune ist dann tatsächlich nicht besonders gut und ich muss ganz klar zugeben, dass ich dies dann nicht besonders gut verbergen kann. Natürlich ist Fußball ein Mannschaftssport und jeder ist wichtig, selbst wenn man gar keine Spielzeit bekommt und in der abgelaufenen Woche vor einem Spiel „nur“ im Training Gas gegeben hat, aber es fühlt sich definitiv besser an, wenn man auch seinen Beitrag zu einem Erfolg leisten kann.

Was kannst du beim Fußball nicht ertragen?
Egoistische Mitspieler, überhebliche Schiedsrichter, Gegentore, übertriebene Härte und Spieler, die sich jede Saison einem neuen Verein anschließen.

Was war dein schönstes Tor?
Aufgrund mangelnder Erinnerung an frühere Zeiten, dürfte dies der 2:2-Ausgleich in der letzten Saison gegen Teutonia Uelzen sein. Ein Schuss in den Winkel aus ca. 20 Meter  Entfernung.
 
Welchen Spruch kannst du auf dem Platz nicht mehr hören?
„Ich habe ihn doch gar nicht getroffen!“

Was geht dir in der Kabine richtig auf die Nerven?
Wenn das Bier im Kühlschrank leer ist, ein Albtraum. Glücklicherweise ist sich unser Getränkewart seiner enormen Verantwortung bewusst, daher kommt dies selten vor.

Vorstandsarbeit – warum machst du die?
Bin da irgendwann so reingerutscht, weil es niemanden so wirklich gab, der Lust auf das Amt hatte. Man kann dadurch einen gesellschaftlichen Beitrag leisten  und natürlich auch gewisse Sachen mitgestalten. Zudem habe ich den Sport und auch die Definition eines Vereines aus einer anderen Perspektive kennenlernen dürfen. Viele Dinge, die man von außen teilweise kaum wahrnimmt, bedürfen einer Vielzahl von Arbeitsstunden.

Was gibt es dir, wenn du etwas für den Verein tust?
Wenn man auf der Weihnachtsfeier in die glitzernden und glücklichen Augen unserer Spieler und Verantwortlichen schaut, dann ist all der Stress und Ärger des abgelaufenen Jahres sofort verschwunden.

Was ist der größte Lohn des Ehrenamtes?
Ich will hier nicht auf die Tränendrüse drücken, aber leider muss man ja schon zufrieden sein, wenn nicht gemeckert wird. Das Ehrenamt ist nun mal etwas, was man neben seiner beruflichen Tätigkeit ausübt und dementsprechend immer etwas verbessern kann. Konstruktive Kritik ist auch absolut legitim und wünschenswert, aber in einigen Bereichen würde ich mir mehr Verständnis und Akzeptanz für Entscheidungen wünschen. Der größte Lohn ist für mich ein einfaches Danke und natürlich das üppige Gehalt vom Verein.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?
Fußball spielen, Wochenendtrips, Treffen mit Freunden, Familienveranstaltungen, Sport im Allgemeinen, Fifa zocken und neuerdings habe ich meine Passion für das Grillen entdeckt.

Wo liegt deine Stärke neben dem Platz?
Definitiv in der dritten Halbzeit!

Über was kannst du herzhaft lachen?
Über Situationskomik und Wortspiele.

Und über was richtig aufregen?
Langsame Autofahrer, Montage, Niederlagen vom FC Bayern München & TSV Gellersen.

Was ist dein Lieblingsspruch?
„Du liebst es.“

Was wolltest du allen Vereinen schon immer mal sagen?
Es kann nicht schaden, sich den TSV Gellersen als Vorbild zu nehmen. (Gruppenlob)

Was musst du uns noch mitteilen, worauf die Fußballwelt gewartet hat?
Aufgrund der wochenlangen Gerüchte in den Medien & sozialen Netzwerken: Ja, ich hänge mindestens noch ein Jahr in der ersten Herren dran. Zusätzlich möchte ich mich bei allen Menschen bedanken, die mich in der Zeit als Fußballer begleitet und beeinflusst haben und natürlich bei allen, durch die unser Sport überhaupt leben und existieren kann.