Harald Breese (Allstar TSV Adendorf) 16.11.20

Harald Breese (re.) als Coach des TSV Adendorf - den Blicken nach zu urteilen, lief es in dem Match nicht sonderlich gut...
Harald Breese (re.) als Coach des TSV Adendorf - den Blicken nach zu urteilen, lief es in dem Match nicht sonderlich gut...

Name, Verein, Alter
Harald (Harry) Breese, TSV Adendorf, 52 Jahre

Ü50 SG Adendorf/Erbstorf - was bedeutet dir das Team?
Wir haben jetzt schon einige Jahre diese Spielgemeinschaft und es passt sehr gut und macht auch überwiegend viel Spaß. Mannschaftsport als solches hat mir immer sehr viel Spaß gemacht.

Wie schwer fällt es dir, selbst nicht mehr zu spielen?
Obwohl mir das Fußballspielen noch sehr viel Spaß macht weiß ich heute auch, dass es auch ohne geht. Auch wenn ich nicht spiele, bin ich mit Organisatorischem  um den Spieltag beschäftigt.

Wirst du noch einmal auflaufen können?
In diesem Fall kommt mir die Corona-Pause ganz gelegen, da ich vor habe zur Rückrunde wieder zu spielen.

Ist Ü50 manchmal schlimmer als U9?
Diese Frage kann ich eindeutig mit ja beantworten. Man ist schon manchmal am überlegen, ob man nicht jedem einen Brief an die Eltern mitgibt, da es einige doch nicht schaffen nach Veröffentlichung des Spielplanes diese 6 Termine so zu organisieren, dass sie auch am Spieltag da sind. Man hat aber auch nicht bei jedem den Eindruck, dass sie das wirklich wollen. In der U 9 weiß man ja, dass der eine oder andere geschickt wird, weil die  Eltern wollen, dass er Sport macht. Die Einstellung lässt da auch bei den Alten schon manchmal etwas zu wünschen übrig.

Riecht es bei euch in der Kabine vor dem Spiel auch nach Ölen und Salben?
Das ist ja das Schöne.  Ab einem gewissen Alter spielen wir alle „Verband“ s - Liga.

Was ist die schönste Erinnerung an deiner Zeit beim TSV Adendorf?
Als ich nach Adendorf gezogen bin, sah die Situation ja so aus, dass die Mannschaft den Aufstieg in die Bezirksliga nach drei Relegationsspielen verpasst hatte und die sogenannte „Millionentruppe“ auseinander gefallen ist.  Marco Bittrich, der für den Fußball gebrannt hat, hat aber trotz allem eine gute Mannschaft zusammenbekommen, die auch menschlich sehr gut gepasst hat. Mit Ernst Schnackenberg hatten wir auch einen  sehr guten Trainer, der nicht nur für den Fußball gebrannt hat, sondern auch ein richtiges Feierbiest war, der dann auch schon legendär bei dem Feiern zum Mikro gegriffen und selbst gesungen hat. Alles im allen war die Zeit in der 1. Herren sehr schön. Das schönste Erlebnis war aber das Aufstiegsspiel zur Landesliga gegen die damals aufstrebenden Kicker aus Drochtersen/Assel. Alle Wetten liefen gegen uns und einige fragten, ob wir tatsächlich vorhaben zu dem Spiel nach Zeven zu fahren, da wir eh keine Chance hätten. Aber jeder, der den Fußball  kennt,  weiß, jedes Spiel muss erst gespielt werden. In Zeven war dann eine Kulisse von über 1.000 Zuschauern. Wir haben das Spiel 2:1 gewonnen und sind in die Landesliga aufgestiegen. Das war schon „geil“ damals.

Eigentlich immer Adendorf - hat dich nie ein anderer Klub gelockt?
Ich bin ja im Wendland beim TuS Liepe groß geworden, habe ein Jahr bei Lemgow-Dangenstorf in der A-Jugend gespielt und, bevor ich nach Adendorf gewechselt bin, auch noch beim TuS Lüchow gespielt. Während meiner Zeit in Adendorf gab es Angebote  genug. Auch wurde immer wieder mit Geld gelockt. Aber das hatte bei mir eben nicht Priorität. Außerdem habe ich damals im Schichtdienst gearbeitet, war verheiratet, hatte Kinder, so dass die Zeit auch etwas begrenzt war, wobei meine Frau für alles Verständnis hatte.

Wie viele Kopfballtore hast du wohl gemacht?
Das waren einige, eines davon im Aufstiegsspiel gegen Drochtersen/Assel.

Wie oft hast du wohl insgesamt getroffen?
Als ich mit 32 Jahren das erste Mal meinen Abschied aus der 1. Herren gegeben habe, hatte Henny Brenke einmal nachgezählt und kam auf 107 für den TSV Adendorf. Das hatte man damals auf ein T-Shirt gedruckt und mir vor dem letzten Spiel überreicht. In dem folgendem Spiel habe ich dann noch 4 Tore  gegen den LSV gemacht, so dass ich dann auf 111 für den TSV kommen würde. Da ich in den folgenden Jahren aber  noch viele weitere  Spiele für die 1. Herren gemacht habe, sind noch einige dazu gekommen. Bei meinem letzten Pflichtspiel  in der 1. Herren war ich schon 50 Jahre alt und habe zusammen mit meinem Sohn gespielt.

Was war das schönste und wichtigste Tor?
Da gab es viele schöne Tore. Das wichtigste wohl im Aufstiegsspiel  gegen Drochtersen und in dem Spiel davor gegen Meckelfeld, wodurch wir uns erst den Relegationsplatz gesichert hatten.

Was war die schönste Schlagzeile über dich?
Die Stadionzeitung des TuS Reppenstedt schrieb mal: „Harry Breese, der Liebling der Fans und Frauen“.

Und was war der Tiefpunkt der Karriere?
Sportlich der Abstieg mit dem TuS Liepe aus der Bezirksklasse.

Welcher Trainer hat dich am meisten geformt?
Ich hatte einige gute Trainer, nicht nur im Verein, auch in den Auswahlmannschaften, so dass ich da keinen herausheben kann.

Und wie war die Zeit als Trainer der 1. Herren des TSV?
Nach 11 Jahren Jugendtrainer wollte ich eigentlich mal Pause machen. Dann wurde der Trainer der 1. Herren entlassen und man kam auf mich zu. Nach anfänglichem Zögern habe ich das dann doch gemacht.  Da ich die halbe Mannschaft seit der U9 kannte, wollte ich den Job eigentlich nicht übernehmen. Die konnten ja schon jeden Satz in der Spielbesprechung mitsprechen. Im Nachhinein hat die Zeit aber sehr viel Spaß gemacht und hatte den Vorteil, dass der Trainer nicht fragt, ob ich mal aushelfen kann.

Was hat als Coach am meisten Spaß gemacht?
Zu sehen, wie man einen Spieler weiterentwickelt. Ihm die Fehler erklären, ihm Lösungsvorschläge an die Hand geben und sehen, dass er diese annimmt und über die Zeit ein besserer Spieler wird.

Und was hat richtig genervt?
Das ständige hinterher telefonieren.  Da hat man sich oft gefragt, wie wir ohne Handy und „Whatsapp – Gruppe früher  klargekommen sind und es geschafft haben, zu jedem Termin da zu sein.

Welche Ausrede hat sich bei dir eingebrannt?
Ausreden gab es viele. Namenstag der Freundin, Omas Geburtstag 3-mal im Jahr , Friseurtermin etc. Man hat da schon gar nicht mehr hingehört.

Wie ist es, wenn man den eigenen Sohn trainiert?
Meistens kommen viele Jugendtrainer dadurch in ihre Erstverwendung. Ich glaube, mein Sohn hatte es da nicht immer leicht mit mir. Man erwartet dann auch eine gewisse Leistung, weil man sich dann doch auch anhören muss, dass der eigene Sohn bevorzugt wird und nur spielt, weil er der Sohn des Trainers ist. Er musste oft herhalten für vakante Positionen, was im Nachhinein aber für ihn ein großer Vorteil gewesen ist, da er sich heute auf vielen Positionen zurecht findet. Wahrscheinlich hat er von allen Spielern auch das wenigste Lob bekommen, obwohl er nicht selten der beste Mann auf dem Platz war.

Wenn du ihn spielen siehst, siehst du dann ein Stück von dir?
Er spielt meistens andere Positionen und eigentlich vergleiche ich mich nicht mit ihm. Ich würde sogar sagen, dass er besser ist als ich früher (nicht im Kopfballspiel) und mindestens genauso viel Ehrgeiz hat. Was ihm oft fehlt, ist das nötige Selbstvertrauen, was man eben braucht, um seine Leistung abzurufen. Wenn es nicht läuft, hadert er schon mal mit sich, das gab es bei mir nicht. Bei mir ist manchmal trotz aller Mühen 88 Minuten nichts gegangen auf dem Platz – und dann habe ich eben nochmal vor kurz vor Schluss das Siegtor gemacht. Man hat eigentlich schlecht gespielt, ist aber am Montag in der 11 der Woche. So einfach ist Fußball.


Was bringt dich richtig auf die Palme?
Arrogante Schiedsrichter. Jeder Spieler kann schlecht spielen und jeder Schiedsrichter hat auch mal einen schlechten Tag. Aber wenn der Schiedsrichter bei schlechter Leistung noch arrogant auftritt, dann platzt mir schon mal der Kragen. Ansonsten bin ich eher ruhig.

Und worüber kannst du herzhaft lachen?
Da gibt es vieles. Ich denke schon, dass ich doch eher zu den lustigen Vögeln gehöre. Der Spaß hatte bei mir vor allem Vorrang. Nicht nur beim Fußball.

Was musst du uns noch mitteilen, worauf die Fußballwelt gewartet hat?
Ich denke, was das angeht, ist alles gesagt. Und für „wäre wäre“ Fahrradkette haben wir Lothar Matthäus. Das würde jetzt auch nur dazu führen, dass ich drei Euro ins Phrasenschwein werfen müsste.

Eine kleine Anekdote aus der Redaktion: Wir spielten mit dem TSV Mechtersen/Vögelsen beim TSV Adendorf. Harald Breese stand an der linken Strafraumecke, zog locker aus dem Stand ab, der Ball schoss mit 180 km/h über den Kasten hinweg und landete auf dem Dach des Vereinsheim – und das liegt gefühlt 500 Meter hinter dem Tor. Meine Gedanken: Oh mein Gott, lass Adendorf keinen Freistoß aus 20 Metern bekommen und ich muss in der Mauer stehen…