Jochen Blunck (Allstar ESV Lüneburg)


Name, Verein, Position
Jochen Blunck, ehemals ESV Lüneburg, nun SC Eilbek Altherren, 6er oder 8er, irgendwo in der Zentrale des Mittelfeldes

Wieder rollt nicht der Ball – wie gehst du damit um?
Es ist furchtbar schade, aber zum Wohle Aller unvermeidbar, um Corona eine weitere Gelegenheit für Ansteckungen zu nehmen. Wie ich damit umgehe? Ich habe mich einmal aufraffen können joggen zu gehen. Das ist aber einfach nicht meins. Meist gewinnen andere belanglose Dinge in der Situation den Kampf der Entscheidung und die Laufschuhe verschwinden wieder ganz schnell im Schuhschrank.

Nicht mehr beim ESV Lüneburg dabei – was ist passiert?
Ich bin vor 3 Jahren nach Hamburg gezogen und habe anfangs das Pendeln in Kauf genommen. Mit Chris Sturm und Jan Walther hatte ich immer eine witzige Fahrgemeinschaft. Dann kam allerdings mein Sohn zur Welt und schon fehlt einfach die Zeit (das aber aus einem wundervollen Grund), um sich regelmäßig blicken zu lassen. Man ist seltener beim Training und nur noch bei den Spielen, dann werden diese auch weniger und allmählich hat man auch ein schlechtes Gewissen mit so wenig Präsenz zu spielen.

Wie schwer fiel dir der Abschied?
Der fiel anfangs schon sehr schwer, da ich beim ESV immer sehr, sehr gerne die Buffer geschnürt habe. Wir haben ja damals vor 7 Jahren eine kleine neue Ära beim ESV in der Ersten Mannschaft eingeläutet, als wir mit einigen VFL-Wegbegleitern gewechselt sind. Super Typen wie Joschka Opalka, Chris Sturm, Florian Carlsen, Henning Kogge u.a. später noch Henni Malone. Das hat fußballerisch und menschlich einfach richtig Bock gemacht.

Was fehlt dir am meisten, wenn du an den ESV zurückdenkst?
Auf jeden Fall der Haufen verschiedenster Knallköppe. Einfach eine einmalige Mischung. Der ESV ist schon einzigartig in der Lüneburger Fußballszene. Besonders fehlen mir dabei die Fahrten nach Schweden. Im Sommer wurde immer eine Fahrt nach Tanum zu einem befreundeten Club unternommen. Dort stand dann ein großer Kick mit einer Mischung von Spielern aus allen Mannschaften des ESV gegen die Schweden auf dem Programm, viel Entspannung und das ein oder andere Kaltgetränk. Herrlisch.

Verfolgst du dein Team trotzdem – und wie siehst du die Entwicklung?
Das tue ich auf jeden Fall. Es spielen ja nach wie vor viele alte Bekannte in deren Reihen. Seit dieser Saison eher in der Zwoten und Dritten Mannschaft, da die Erste schon sehr umgekrempelt wurde, was man so aus der Ferne beurteilen kann.

Kickst du denn noch irgendwo?
Zwei Minuten Fußweg von mir zu Hause beim SC Eilbek in der Hamburger Alt-Herren-Szene. Auch eine super Truppe.

Welcher Trainer hat dich am meisten geformt?
Definitiv Salvatore Sciume, damals beim VFL Lüneburg II. Ein feiner Kerl, der mir fußballerisch viel auf dem Weg mitgegeben hat und mir als Jungspund oftmals wichtige Grenzen aufgezeigt hat. So konnte ich mich in der Folge oftmals, einigermaßen regelmäßig, gelegentlich und auch immer häufiger auf dem Platz benehmen.

Dein größter sportlicher Erfolg?
Beim VFL Lüneburg haben wir damals mehrfach den Aufstieg in die Kreisliga gewuppt. Persönlich die Wahl zum Spieler des Monats bei euch und 3-mal Spieler des Jahres beim ESV. Heute: Das ich ohne größere Schmerzen 70 Minuten über den Platz laufen kann und ab und an einen Ball treffe.

Was kannst du beim Fußball nicht ertragen?
Sinnloses Gemecker gegen den Gegner, Schiedsrichter oder die eigenen Spieler. Da krieg isch Plack.

Wird der Kreisfußball manchmal viel zu ernst genommen?
Teilweise schon. Es ist auf der Ebene einfach ein Hobby und kein Profifußball. Das muss man sich vor Augen halten. Ich konnte daher nie ganz verstehen, wie in einigen Mannschaften da schon so der Rubel rollen konnte. Menschlich hatte das leider oftmals schlechte Auswirkungen auf einige Spielertypen.

Was bringt dich richtig auf die Palme?
Ununterbrochenes, sinnfreies Gemotze auf dem Platz gegen den Gegner, Schiri und Mitspieler.

Und worüber kannst du herzhaft lachen?
Über Flachwitze a la Fips Asmussen. R.I.P. Fips!

Was würdest du beim Fußball gerne besser können?
Tunnler (nicht bei mir) und Fallrückzieher.

Ist unser Fußball besser oder eher schlechter geworden?
Puh, das kann ich schlecht aus der Ferne beurteilen, da ich die letzten 3 Jahre wenige Live-Einblicke hatte. Es ist eigentlich auch Wurst, ob er besser oder schlechter geworden ist, so lange, die die ihn betreiben, Bock haben alles reinzuhauen und Spaß haben, so dass es den ein oder anderen Zuschauer am Rande motiviert 90 Minuten zuzuschauen. Dann sollten doch alle Seiten zufrieden sein.

Schnell die Augen zu und nachdenken: Was war dein schönstes Tor?
Da gab es einige nette Fernschusstörchen, aber das schönste war das 1-0 gegen Mechtersen II in der 90. Minute. Ich stand bei einer Ecke mit dem Rücken zum Tor am zweiten Pfosten und schnippte den Ball per Außenrist in den hinteren Winkel.

Die schönste Anekdote deiner steilen Karriere?
Vor einigen Jahren hatte ich in einem Spiel einen Mittelhandbruch erlitten und dadurch mehrere Wochen Sportverbot. Ich fungierte in der Zeit als Spielertrainer beim ESV. In einem dieser Spiele hatten wir akuten Spielermangel und nahm deshalb mein Trikot mit auf die Bank. Kurz vor Ende der Partie rief mir unser Libero Joschka O. zu...“Wollen wir nicht was riskieren?!“ Ich verstand die Aussage als Aufforderung mich einzuwechseln. Er wollte mir eigentlich nur das Auflösen des Liberos vorschlagen. Wir setzten in der Folge beides um. Ich kam also ins Spiel und schlug mit einem der ersten Ballkontakte einen langen Ball in den 16er, den Chris Sturm runterpflückte und in das 1:0 für uns verwertete. Ich wechselte mich danach sofort wieder aus und kurze Zeit später pfiff der Unparteiische das Spiel ab.

Wofür hast du deinen rechten Fuß?
Nach einem Urlaub in Norwegen sogar zum Tore schießen. Dort habe ich 3 Wochen mit einem Kollegen non stop den schwachen Flunken benutzt und irgendwann war selbst der zu mehr als nur zum Stehen, Hornhaut entfernen oder Fußnägel schneiden zu gebrauchen.

Du sollst ein wahres Kopfball-Ungeheuer gewesen sein – stimmt das?
Das stimmt – allerdings leider nur im Training, seitdem ich beim SC Eilbek bin.

Was musst du uns noch mitteilen, worauf die Fußballwelt gewartet hat?
Haltet die Ohren steif, trotz dieser schwierigen Zeit. Unterstützt euch und eure Mitmenschen, wo es nur geht und wie es jedem einzelnen von euch möglich ist.