Tevin Amberge (TuS Barendorf) 11.11.20


Name, Verein, Alter, Position
Tevin Amberge, TuS Barendorf, 28, Allrounder

Wie rollt nicht der Ball – wie gehst du damit um?
Aus meiner Sicht ist die Entscheidung mehr als überfällig und damit auch absolut nachvollziehbar. Für mich persönlich ändert sich sowieso nicht allzu viel, da ich in den vergangenen Monaten eigentlich sowieso pausiert hatte. Aber nach meinem kurzen Intermezzo in der 2. Herren ist es schon etwas schade, da es gerade wieder angefangen hatte in den Füßen zu jucken. Aber vielleicht war das auch nur ein eingeschlafener Fuß.

Wie wirst du dich fit halten?
Wichtiger ist, dass ich überhaupt erstmal fit werde! Da ich Joggen nicht zu meinen Top-3 Aktivitäten für den Zeitvertreib zähle und nicht absehbar ist, wann die Fitnessstudios wieder aufmachen, kann ich erstmal nur beten, dass mein Astra-Körper nicht noch mehr unter dem chronischen Sportentzug leidet. Vermutlich wird es auf längere Radtouren Fahrrad fahren und auf die Ernährung achten hinauslaufen. Vielleicht komme ich auch auf den Geschmack von Home Workouts, wer weiß.

TuS Barendorf – wie würdest du dein Team beschreiben?
Da ich zuletzt auch in der 2. Herren mittrainiert und sogar mitspielen durfte, fühle ich mich aktuell so ein bisschen beiden Truppen zugehörig. Daher verliere ich mal ein paar Worten zu beiden Teams: Die 1. Herren würde ich als junge und charakterstarke Truppe mit einem kaum zu bändigen Willen beschreiben. Eine sehr vielfältige, aber dann doch homogene Truppe, in der jeder seinen Platz hat. Die 2. Herren empfinde ich als ein aufstrebender und bunter Haufen von Rabauken, die gar nicht wissen, was sie eigentlich auf dem Kasten haben. Generell sind beide Teams alles wirklich sehr feine, aber durchaus unattraktive Gestalten.

Was hat der TuS noch, was andere nicht haben?
Einen engen Zusammenhalt über alle Instanzen, wie Herren-und Damenmannschaften, dem Förderverein und Verantwortliche und mit David Keese den mit Abstand besten Obmann der Welt. Hier merkt man, was man alles mit einer intakten Infrastruktur bewältigen kann. Das i-Tüpfelchen, was noch fehlt, ist eine Flutlichtanlage auf dem A-Platz, damit man auch mal in Barendorf Freitagabend Flutlichtspiele veranstalten kann. Aber das ist Jammern auf unglaublich hohem Niveau.

Wie siehst du die Entwicklung deines Vereins?
Durchweg positiv, wenn man mal bedenkt, was hier in Eigeninitiative alles erreicht wurde. Der Aufstieg der 1. Herren ohne monetäre Zuschüsse. Die fußballerische Entwicklung der 2. Herren, die allein zum letzten Jahr einen Quantensprung hingelegt hat. Hut ab für Roland „Rolli Rollsen“ Lienke, dass seine halbstündigen Taktikschulungen am Whiteboard vor jedem Training tatsächlich Früchte zu tragen scheinen. Zudem kommt aktuell sehr viel aus der Jugend nach. Das stimmt mich positiv.
 
Hängt auch hier alles von wenigen Personen ab, damit es läuft?
Natürlich könnte man die Last etwas proportionaler verteilen, aber ich denke, es ist ein Grundproblem im Ehrenamt, dass es leider oft nur einige wenige gibt, die ordentlich mit anpacken. Umso mehr frohlocke ich, dass wir mit David Keese einen Bilderbuchantreiber haben, der es versteht seine Pappenheimer zu mehr Aktivität zu bewegen. Aber auch wenn ich gern jede Gelegenheit nutze, um eine Lobeshymne auf David Keese zu singen, muss ich sagen, dass auch im Hintergrund unter anderem durch den Förderverein viel angeschoben wird und es damit durchaus auch noch schlimmer sein könnte.

Du pendelst etwas zwischen der 1. und 2. Herren – warum?
Aufgrund meiner ewigen Liste an unterschiedlichsten Verletzungen für meinen Goofy-Körper, war es mir seit meiner Rückkehr aus dem Studium 2018 leider nicht gegönnt, konstant in der 1. Herren auf Leistung spielen zu können. Da war ich sehr froh, dass mich Roland und seine Jungs immer wieder mit offenen Armen bei sich aufnahmen und ich dort helfen konnte. Damit konnte ich immer diese sogenannten Körner zu sammeln. Zuletzt habe ich im Juli diesen Jahres in Folge meiner Verletzungen und meinem sehr zeitintensivem Beruf eigentlich dazu entschlossen die Schuhe auf unabsehbare Zeit an den Nagel zu hängen, bis ich letzten Monat spontan die Lust verspürte, mal wieder etwas gegen das runde Leder zu treten. So bin ich erstmal mal wieder bei der 2. Herren gelandet. Und was weiter passiert, mal schauen!

Was gibt dir der Teamsport?
Ohne jetzt melodramatisch zu klingen sind es für mich die gemeinsam gesammelten Erinnerungen, die man für immer teilt und immer wieder gern zurückblickt. Sei es sinnfreie Anekdoten aus Trainingseinheiten, oder Andenken an gemeinsame Erfolge oder Misserfolge. Das Gemeinschaftsgefühl, was man sonst selten im beruflichen oder anderen privaten Kontext findet. Auch ist der Teamsport ein Ort, an dem jeder seinen Platz hat, egal woher er kommt, was er beruflich macht oder er für Ansichten hat. Das ist auch der Grund, warum es mir persönlich schwer fällt, mit dem Kicken aufzuhören.

Was kannst du in der Kabine nicht mehr hören?
Den EDM-lastigen Musikgeschmack der zweiten Herren und wenn mich jemand mal wieder fragt, ob ich Shampoo dabei habe, was bei meiner Friese eine offenkundig bescheuerte Frage ist. Auch nehme ich das zuletzt stark häufende Gelaber darüber, welcher Spieler mal wieder bei Ultimate Team gezogen wurde als ziemlich daneben wahr.

Niederlage in letzter Sekunde – wie reagierst du?
Zunächst natürlich sauer, dann reflektiert in Bezug auf meine eigene Leistung, was je nachdem wie zufrieden ich mit mir selbst war länger oder weniger lang für schlechte Laune sorgt. Mittlerweile bin ich aber eher dankbar dafür, dass ich mich nicht verletzt habe. Besonders dann, wenn ich durchgespielt habe.
 
Was würdest du gern als Kicker noch erreichen?
Ich hatte das Glück, schon mit zwei Aufstiegen im Herrenbereich und einer Saison in der Jugend-Niedersachsenliga schon Einiges erlebt zu haben. Allerdings fehlt auf meiner Bucket List noch der Sieg eines Pokals auf Kreisebene. Ich befürchte aber, dass mir das aufgrund meiner aktuellen Status als inaktiver Kicker verwehrt bleiben wird. Ich würde mich schon unendlich freuen, wenn ich mal eine Saison konstant ohne Verletzungen auf einem für mich akzeptablen Niveau spielen kann.

Gefühlt 2,50 Meter groß – wie sieht es mit dem Kopfballspiel aus?
Ich glaube, diese Frage habe ich auch mal 2012 beantwortet! Seitdem habe ich vielleicht noch insgesamt 2 Kopfballtore gemacht. Nach wie vor defensiv gut, offensiv ausbaufähig. Aber zum Glück denkt jeder, dass ich ein Kopfballmonster bin, sodass ich bei Standards oft 2 Spieler binde.

Gel in den Haaren, Stutzen über die Knie, bunte Schuhe – wie sieht das bei dir aus?
Gel würde ich, wenn ich könnte. Zu den Kreisliga-Ronaldos zähle ich mich nicht. Ich bin eher der Fan vom Adidas Kaiser.

Was bringt dich richtig auf die Palme?
Vieles, was man leider aktuell zu viel in der Bundesliga sieht: Ewiges Lamentieren, Schauspielerei und Diskussionen mit dem Schiedsrichter. Besonders feiere ich, wenn bei offensichtlichen Aus-Bällen 12 Spiele den Arm heben, um den Ball für sich zu beanspruchen.

Was würdest du beim Fußball besser können?
Resistenter gegen Verletzungen und deutlich beweglicher sein.

Welche Regel würdest du gern abschaffen – und warum?
Keine bestimmte.

Oft verletzt gewesen – was hat dich motiviert, immer wieder anzugreifen?
Wenn man seit nun fast 24 Jahren gegen den Ball tritt, dann fällt es einem einfach schwer aufzuhören, weil es für mich einfach immer dazu gehörte am Wochenende den Wettkampf zu haben. Da war aufhören nie eine Option. Mit schreitendem Alter und zunehmender Verletzungsdauer, muss ich aber ehrlicherweise auch sagen, dass diese Motivation zuletzt leider nachgelassen hat.
 
Wie sieht der Montag nach einem Spiel bei dir aus?
Mittlerweile laufe ich montags noch wie ein Pirat mit zwei Holzbeinen, weil meine Gelenke gut steif sind. Leider ein Tribut der vielen Verletzungen. Aber wenigstens spürt man, dass man was gemacht hat!