Kommentar: Warum geht eigentlich immer der Trainer?

Drei Spiele, drei Niederlagen, darunter zwei richtige Klatschen – da kann man schon mal alles in Frage stellen! Also große Manöverkritik – und wie immer endet das Lied gleich: der Trainer geht oder nimmt seinen Hut! Warum? Weil er die Schnauze voll hat? Weil alte Krusten aufgebrochen werden müssen? Weil er die Spieler nicht mehr erreicht? Oder weil nach 3 Jahren neue Impulse gesetzt werden müssen? Mag alles sein, aber oft ist der Grund ganz einfach: Der Trainer steht in der Verantwortung, übernimmt diese auch und stellt seinen Posten zur Verfügung. Noch ein paar tröstende Worte des Vorstands, vielen lieben Dank für alles, ganz tolle Arbeit geleistet – Abpfiff!


Da stellt sich mir seit 100 Jahren immer die gleiche Frage: Was ist eigentlich mit den Spielern? Wenn ich 2:8 verliere, muss ich mich nicht selbst kritisieren? Bin ich wirklich bereit alles für den Teamsport zu geben, habe ich die nötige Disziplin und die Qualität? Oder bin ich einfach nicht gut genug für die Landesliga, Bezirksliga oder Kreisliga? Der einfache Weg: Ich verstecke mich schön hinter dem Rücken des Trainers, der ja dafür verantwortlich ist, dass es bei den Mitspielern und mir läuft. Okay, bei den anderen 5 Vereinen lief es auch nicht mit und bei mir, aber da waren die Trainer ja auch eine Katastrophe. Klar, vor der Saison haben alle Spieler schriftlich ihre Ziele genannt, der Aufstieg wurde auf die Fahne geschrieben – aber so eine Saison ist verdammt lang, und der Trainer ist eine echte Katastrophe. Kann doch nicht so schwer sein, sich um 25 Spieler zu kümmern, um eine schlagkräftige Truppe auf die Beine zu stellen – oder? Und sollten wir absteigen, egal, Verein Nummer 6 wird sich schon finden! Von den Typen, die für 100 Euro im Monat alle drei Monate den Verein wechseln würden, fange ich (heute) nicht wieder an…


Wäre es nicht auch mal angemessen, einigen Spielern deutlich die Meinung zu sagen und ihnen die Sporttasche vor die Kabine zu stellen? Aber das war ja ein verdammt schwieriger Weg, der Trainer ist das schwächste Glied, so ist es schon seit 150 Jahren.


Ein Trainer kann einem manchmal echt leidtun! Heute brauchst du mindestens ein Psychologiestudium, um mit einigen Superstars der Region klar zu kommen. Du musst immer gerecht sein, darfst dich nicht falsch verhalten, offene Kritik ist fast ein Tabu, immer schön freundlich und verständnisvoll sein, reden, bis dir der Kopf dröhnt, tolles Training anbieten, immer da sein, viele Aufgaben übernehmen, die man als Trainer gar nicht ausüben sollte – und vor allem musst du das Spielsystem deinen Schützlingen so beibringen können, dass sie verstehen, was sie da eigentlich machen sollen – ja, Fußball ist ein Buch mit 7 Siegeln...
Mal ganz ehrlich, wer im Herrenbereich nicht weiß, was er auf dem Platz zu machen hat, der sollte sich mal hinterfragen. Fußball ist ein verdammt einfacher Sport, ob mit oder Viererkette, Sechser, hängender Spitze oder falsche 9. Egal, denn 100 Prozent Einsatz und Stolz kann man immer einbringen. Und sind wir doch mal ehrlich: Im Kreisfußball werden doch die wenigsten Spiele gewonnen, weil ein Taktikfuchs an der Linie steht – die meisten Spiele werden durch Unterschiedsspieler entschieden, oder?


Und die allerletzte Frage, die ich mir schon seit 100 Jahren stelle: Warum müssen Menschen, die ihr Hobby ausüben, eigentlich immer motiviert werden, damit sie sich reinhängen?


Zum Abschluss noch ein schöner Spruch eines ehemaligen Trainers: „Ja, es gibt sie tatsächlich, die Tage, an denen du redest und redest, aber das Gefühl nicht los wirst, dass dich nur der Hund von einem Fan versteht, der dich die ganze Zeit anschaut.“