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Wir schreiben das Jahr 2035.
luenesport.de gibt es schon lange nicht mehr. Ich fahre nur noch durch den Landkreis, auf der Suche nach ein bisschen Fußball – nach dem, was davon übrig geblieben ist.
Auf fussball.de scrolle ich durch die Paarungen. Früher war das Vorfreude. Heute ist es Auswahl unter Verlust. Vor neun Jahren liefen von der Oberliga bis zur Kreisklasse der Damen über 40 Spiele – heute sind es noch 23. Die 3. und 4. Kreisklasse der Herren: verschwunden. Die Altliga: Geschichte. Die Altherren kicken im Kreis Harburg auf dem 7er-Feld. Von den einst so zahlreichen Dorfvereinen ist kaum mehr als ein Dutzend übrig. Und auch im Frauenfußball geht langsam das Licht aus – vier Teams, mehr nicht.
Ein paar Namen halten sich noch über Wasser: Lüneburg SK in der Oberliga, TSV Bardowick in der Landesliga, MTV Treubund in der Bezirksliga, der FC Heidetal auch. Danach beginnt das, was man früher ganz selbstverständlich „Kreisfußball“ nannte – heute ist es ein Auslaufmodell.
Ich entscheide mich für drei Spiele. Mehr aus Pflichtgefühl als aus Vorfreude.
SG Mechtersen/Bardowick II : SG Brietlingen/Scharnebeck/Hohnstorf
SG Gellersen/Reppenstedt : SG Artlenburg/Echem/Brietlingen II
SG Eintracht/VfL Lüneburg/Treubund II : SG Rottorf/Handorf/Wittorf
Erste Station: Vögelsen. Ich biege zum Sportplatz ab – oder will es zumindest. Wo früher Rasen lag, liegt jetzt Beton. Ein Neubaugebiet. Kein Tor, kein Netz, kein Geräusch. Nur Stille. Mir wird klar: Das Spiel steigt ja Mechtersen.
Dort ist es nicht besser – nur anders traurig. Der Tresen leer. Kein Bratwurstgeruch, keine kalte Limo, kein Leben. Stattdessen zwei Automaten, halb leer, seit Wochen nicht aufgefüllt. Anpfiff um 15 Uhr – auf einem 9er-Feld. Schiedsrichter? Keiner. Man regelt das selbst. Zuschauer: fünf, mich eingeschlossen. Es fühlt sich nicht mehr wie Fußball an.
Ich fahre weiter nach Reppenstedt. Die Hoffnung fährt mit – und stirbt dort endgültig. Leere. Zehn treue Seelen, irgendwo zwischen Nostalgie und Resignation. In der Hand eine Astraknolle, im Blick die Vergangenheit. Nach 45 Minuten halte ich es nicht mehr aus.
Letzte Station: VfL Lüneburg, Grasweg. Die Tribüne steht noch. Ein paar Dutzend Menschen haben sich eingefunden – fast schon eine Kulisse. Es gibt Bratwurst. Es gibt Limo. Für einen Moment fühlt es sich wieder normal an. Bis ich die Preise sehe: 5,50 Euro für eine Wurst, 4 Euro für eine Limo...
Auf dem Platz: ein Spiel ohne Seele. Kein Biss, kein Lärm, kein Leben. Ich denke zurück – an die Schlachten auf der Hasenburg der SV Eintracht, an diese Nachmittage, die mehr waren als nur 90 Minuten. Heute ist das alles nur noch Geschichte.
Ich sitze da, starre ins Leere und frage mich: Kann es eigentlich noch schlimmer werden?
Ich halte es nicht mehr aus. Fahre weiter. Ins Fitnessstudio. Den Kopf freilaufen.
Drinnen: eine andere Welt. Junge Leute, viele. Genau die, die früher auf dem Platz standen. Jetzt stehen sie an Maschinen, zu sechst, nebeneinander. Energydrinks in der Hand, Blick aufs Handy. Tore fallen – irgendwo in der Bundesliga. Sie wischen, liken, jubeln kurz. Dann weiter.
Ich setze meine Kopfhörer auf. Nur so lässt sich das ertragen. Der Abschied von meinem geliebten Schweinsleder.