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Es gab eine Zeit, da waren Schienbeinschoner keine modischen Accessoires, sondern ausgewachsene Verteidigungswaffen. Kiloschwer, knüppelhart, kaum haltbar und ungefähr so ergonomisch wie ein Ziegelstein. Klettverschluss? Fehlanzeige. Elastische Bänder? Luxusproblem. Damals wurde improvisiert: Schnürsenkel, Tape, notfalls der zweite Schnürsenkel vom anderen Schuh – Hauptsache, die Dinger hielten irgendwie am Schienbein.

Das Ergebnis: Beine abgeschnürt, Füße halb taub, Durchblutung eingeschränkt. Aber hey – die Schienbeinschoner saßen! Man war nur froh, wenn man sie in der Pause 15 Minuten lang entfernen konnte. Und kam dann ein Gegenspieler mit offener Sohle und voller Wucht (18er Stollen waren beliebt), gab es zwei Möglichkeiten: Entweder man blieb stehen oder man stand eben wieder auf. Weinen? Keine Option!

Heute sieht das anders aus. Schienbeinschoner sind kleiner als ein Smartphone und dünner als eine Wurstpappe. Sie werden höchstens aus ästhetischen Gründen kurz in die Stutzen gesteckt – oder direkt ganz weggelassen, dafür aber die Stutzen lässig auf Knöchelhöhe getragen. „Drückt“, heißt es dann. „Stört beim Laufen.“ Kaum kommt es zum Zweikampf, liegt man auf dem Rasen wie ein gefällter Baum, hält sich das ungeschützte Schienbein und blickt mit großen Augen zur Seitenlinie. Tränen inklusive, versteht sich. Der Gegner fragt sich: „Habe ich gerade ein Foul begangen oder versehentlich ein Schauspielstudium unterbrochen?“ Und so mancher Zuschauer fühlt Schadenfreude – ich manchmal ehrlich gesagt auch.

Früher wurde gefoult, geflucht und weitergespielt. Heute wird gefallen, gerollt und gehofft, dass der Schiedsrichter Mitleid hat. Die Schienbeinschoner gammeln derweil einsam in der Sporttasche – aber ohne sieht eben cooler aus, machen ja die Stars auch so.

 

Vielleicht ist es an der Zeit für ein kleines Comeback der alten Schule. Nicht unbedingt die Kiloschoner von damals, aber zumindest irgendetwas zwischen Schienbein und Gegenspieler. Denn wer ohne Schutz in den Zweikampf geht, sollte sich nicht wundern, wenn er danach auf dem Rasen liegt. Und wenn schon Drama, dann bitte mit Stil – oder eben mit Schienbeinschonern.