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Selten bin ich mir unsicher, ob ich die richtigen Worte finden werde – dieses Mal ist es so. Ich lasse meine Gedanken einfach mal treiben und hoffe, der Artikel kommt so rüber, wie er gemeint ist. Es geht um das Thema Trainerrücktritt während der Saison. Am vergangenen Freitag warf Achim Otte seinen Job beim Landesligisten MTV Treubund Lüneburg hin. Damit überrumpelte er die Verantwortlichen des Vereins, aber auch die Spieler. Niemand konnte sich erklären, warum Otte so handelte – wurde ihm doch in der Winterpause das volle Vertrauen ausgesprochen.
Natürlich wurde spekuliert, die Insider wussten wieder mehr als alle anderen. Es gab Kopfschütteln und Artikel in der Presse, in denen sich Otte vielleicht nicht immer nur glücklich ausdrückte. Egal, mit wem ich sprach, das Fazit fiel fast immer gleich aus: Das macht man nicht als Hauptverantwortlicher, schon gar nicht so kurz vor einem Punktspiel. Wenn man als Trainer für eine Serie zusagt, dann zieht man das auch durch. Und intern soll es ja auch nicht so gut gelaufen sein. Vor allem muss man mit der heutigen Spielergeneration ganz anders umgehen, um sie zu erreichen.
Ja, die Argumente verstehe ich, aber warum wird so ein Fass aufgemacht, wenn ein Trainer nicht mehr kann oder will, während Spieler kommen und gehen, wann immer sie wollen? Was muss ein Trainer heute alles leisten, damit er am Sonntag seine Mannschaft voll bekommt? Ob Urlaub, Festivals, Geburtstage der Großeltern, Unlust, Partys oder Gleichgültigkeit – was einem Verantwortlichen da manchmal geboten wird, ist schon abenteuerlich. Und dieses Verhalten der Spieler beginnt nicht erst im Kreisfußball! Der Coach ist immer da, steht bei Wind und Wetter auf dem Platz, führt Gespräche ohne Ende, muss WhatsApp-Nachrichten lesen, die eine Comedy-Sendung füllen würden – und wie oft wird er einfach im Stich gelassen? Würde ich alles aufschreiben, was mir zugetragen wird, wäre es ein Buch mit 1.000 Seiten. Heute muss der Coach mehr Psychologe als alles andere sein, die Befindlichkeiten der Schützlinge stehen immer im Vordergrund – doch wer denkt an die Befindlichkeiten und die Gesundheit der Trainer?
Wenn ich mich an meine eigene Trainerzeit zurückdenke, dann weiß ich noch, wie oft ich traurig, wütend, desillusioniert, sprachlos, enttäuscht, überfordert, lustlos, demotiviert und kurz davor war, alles hinzuwerfen. Natürlich gab es auch viele Lichtblicke. Während Spieler einfach nicht erschienen, sich nicht abmeldeten, ohne Begründung aufhörten oder um ein Gespräch baten, in dem sie sich ausweinen oder auskotzen konnten, musste ich Ruhe ausstrahlen und der Fels in der Brandung sein. Vor allem sollte ich mich in 22 Menschen hineinfühlen können, die ich kaum kannte. Keine Ahnung, ob sie im normalen Leben klarkamen.
Ja, wenn du ein Team im Leistungsfußball anführst, dann weißt du, dass du Druck hast – vor allem, wenn es in der Liga gefühlt seit Jahren fünf oder sechs Absteiger gibt. Aber vielleicht ist dieser Kopf des Teams sehr sensibel, hat schnell Selbstzweifel, nimmt vieles persönlich und verkrampft dabei – wer nimmt darauf Rücksicht und zeigt Verständnis?
Ich erinnere mich an ein Telefonat mit einem Bezirksliga-Trainer: „Ich bin seit zehn Jahren Trainer, bin immer da. Nur am letzten Wochenende ging es nicht, weil die Familie einfach vorging. Was meinst du, was ich mir von den Spielern und Verantwortlichen des Vereins anhören musste! Ich würde das Team verraten, nicht 100 Prozent geben und sollte mich fragen, ob ich noch der Richtige für die Mannschaft sei – unfassbar!“
Ja, die Zeiten haben sich geändert, die neue Spielergeneration muss anders gehandhabt werden. Befehl und Gehorsam funktionieren nicht mehr. Als Trainer musst du sensibel mit jedem Spieler umgehen und ihn abholen, damit er motiviert zum Spiel oder Training kommt. In meinem Kopf stellen sich allerdings drei Fragen:
1. Warum müssen Spieler immer motiviert werden, um ihr Hobby auszuüben?
2. Muss man heute nicht auch mit den Trainern anders umgehen?
3. Warum will kaum noch jemand Trainer werden?
Auf Frage 3 könnte ich eine Antwort geben – sie steckt sogar im Artikel. Aber das ist eine andere Geschichte …
Wer eine Meinung zu diesem Thema hat, der kann gerne eine Mail an [email protected] senden.
WICHTIG: Es geht nicht um den Rücktritt von Achim Otte, bitte Gedanken zu der Entwicklung senden - oder ob das alles gar nicht so ist.