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Früher war eine Weltmeisterschaft etwas, das meinen ganzen Sommer geprägt hat. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich vor dem Fernseher saß, nervös, aufgeregt, voller Erwartung. Ich habe gezittert, geschrien, diskutiert, gefeiert – manchmal auch gelitten. Aber vor allem habe ich Fußball und die Liebe zum Sport gefühlt.
Die WM 1982, 1986, 1990 – das waren für mich mehr als nur Turniere. Das waren Geschichten, Helden, Dramen, pure Emotionen. Und später dann 2006, dieses Sommermärchen, 2014 der große Triumph in Brasilien – Momente, die sich eingebrannt haben, als wären sie gestern gewesen.
Und heute?
Die WM 2026 läuft, aber etwas hat sich verändert. Und ich kann nicht genau sagen, wann es passiert ist. Vielleicht schleichend, vielleicht unbemerkt. Aber jetzt ist es da: Diese Leere. Diese Distanz. Gestern hat Deutschland gespielt - und es ging mir völlig am Hintern vorbei! Ich schaue Spiele, aber ich werde nicht mehr hineingezogen wie früher. Ich höre Interviews, aber sie rauschen oft einfach an mir vorbei. Ich sehe Spieler, die eigentlich Weltklasse sind – und trotzdem entsteht kein Bezug. Und wenn ich höre, dass J. Kimmich unser Leader und Top-Rechtsverteidiger ist, dann sehe ich Typen wie Matthäus, Brehme, Völler, Schweinsteiger oder Lahm vor mir... Und mit Manuel Neuer kann ich ehrlich gesagt auch nicht mehr viel anfangen
Und dann frage ich mich: Liegt es an mir?
Bin ich einfach älter geworden? Ist dieses innere Feuer, das früher bei jedem Anpfiff sofort da war, irgendwann kleiner geworden? Vielleicht ist das normal. Vielleicht verändert man sich. Vielleicht verliert man ein Stück dieser kindlichen, ungefilterten Begeisterung.
Oder ist es der Fußball selbst, der sich verändert hat?
Alles wirkt größer, lauter, aalglatt. Eine WM ist nicht mehr nur ein Turnier, sondern ein riesiges globales Spektakel. Durchkommerzialisierung überall, endlose Werbeflächen, ständig neue Formate, immer mehr Spiele, immer mehr Länder mit wenig Qualität, immer mehr Experten, die alles erklären, zerreden, analysieren – es langweilt mich. Und Gnade dir Gott, bloß nicht Klartext reden, dann kommen von rechts und links die Moralkeulen!
Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese ganze Show diese Echtheit, diese Nähe, dieses einfache Mitfiebern ohne Filter übertüncht. Und vielleicht ist genau das der Punkt, der mich am meisten beschäftigt: dass ich mich frage, ob mir durch diese Megashow etwas genommen wurde – oder ob ich es einfach nicht mehr so empfinden kann wie früher.
Ich vermisse dieses Gefühl von damals. Dieses Kribbeln vor dem Spiel. Diese Nächte voller Hoffnung. Dieses echte, ungefilterte Mitgehen.
Vielleicht wird es besser, wenn die Vorrunde vorbei ist - wenn ich aber unser Team sehe, dann kann die WM auch innerlich nach dem Achtelfinale ganz schnell vorbei sein...