Unser Fußball steht auf ganz, ganz wackeligen Beinen!

Ja, die Sehnsucht nach unserem geliebten Fußball war riesig – und endlich gibt es wieder Testspiele, Tore, Sprüche, kalte Limo und Bratwurst – und endlich trifft man wieder Menschen, die einem gefehlt haben. Überall spürt man die Freude über diese neue (alte) Freiheit – und sie wird in vollen Zügen genossen. Auch mir geht es so, dass sich schleichend bestimmte Regeln in Kopf nach und nach abschalten – zu groß ist die Freude darüber, dass ich wieder auf dem Platz stehen, Gespräche führen, Fotos machen  und mittendrin statt nur dabei sein kann.

Vor allem scheint es auch gar keine Regeln mehr zu geben: Nirgends muss man sich eintragen, ich sehe Menschen, die sich bei der Begrüßung umarmen, sich abklatschen oder gar die Hand geben, niemand trägt eine Maske, auf der Tribüne wird locker zusammen gesessen – und der Abstand ist bei Gesprächen von 1,50 Meter oft auf 20 Zentimeter geschrumpft. Auch die Stadt ist wieder rappelvoll, die Gastronomie verdient endlich wieder Geld, in den Geschäften wird gedrängelt, überall sehe ich große Gruppen, die alles tun, sich nur nicht an Regeln halten, die doch so sinnvoll erschienen. Ich arbeite nebenbei in einem Impfzentrum, dort werden Termine einfach nicht wahrgenommen oder nicht abgesagt – ist halt Urlaubszeit, Mallorca lockt! Viele Menschen scheinen Corona zu verdrängen, können das Thema nicht mehr hören, sich körperlich und psychisch dessen müde, wollen nicht mehr verzichten, haben Nachholbedarf… Alles scheint wieder so normal und leicht zu sein, von 0 wieder auf 100, alles kein Problem  – alles verständlich, aber  gefährlich!
Eine innere Warnglocke sagt mir seit Wochen: Sei vorsichtig, es kann ganz schnell wieder anders werden! Und wie schnell es anders werden kann, das zeigt die 1. Herren des TSV Bardowick: 1 Spieler verweilte auf Mallorca, fing sich Corona ein, testete sich, war negativ, neuer Test = positiv – und schon beginnt sich das Rad zu drehen! Fast die gesamte 1. Herren des TSV hat sich bis zum 27. Juli in Quarantäne begeben. Leider gab es zuvor noch ein Testspiel gegen den FC Heidetal – auch hier wird es nun einige Unannehmlichkeiten geben. Kleines Problem: Der FC Heidetal spielte am vergangenen Sonntag gegen den SV Ilmenau… (hoffentlich ist die Beschreibung so richtig).
Niemand ist dabei ein Vorwurf zu machen, aber unser Fußball und das gesamte gesellschaftliche Leben steht auf ganz, ganz wackeligen Beinen! Niemand sollte sich auf bloße Zahlen verlassen, die derzeit auch wieder bei uns steigen – der Blick muss über den eigenen Tellerrand hinausgehen, denn um uns herum rufen viele Länder schon wieder den „Notstand“ aus oder machen dicht.


Ich für mich ziehe daraus eine klare Konsequenz: Ich werde weiterhin zu den Spielen gehen, aber mich wieder so verhalten wie vor einigen Wochen: Abstand halten, niemanden anfassen, Händedesinfektion mitnehmen und irgendwo alleine stehen.


Eine große Bitte: Dieser Text soll zum Nachdenken anregen, keine Moralpredigt sein – denn wie bitter wäre es, wenn die neue Saison wieder ausfallen muss, weil die Coronafalle wieder eiskalt zugeschlagen hat!